13. Februar 2024

Hegene selber binden

Das Renkenfieber

In den letzten Jahren habe ich mich mit dem Renken fischen etwas näher beschäftigt, nachdem ich diese Art der Angelei eigentlich als eher langweilig empfunden habe. Bisweilen war ich mehr der Raufischfreak d. h. mein Lieblingszielfisch war Barsch und Hecht und das überwiegend mit Gummifisch beim Jiggen. Das hat sich aber seit geraumer Zeit grundlegend geändert, seit ich mit meiner Methode, dem Heben oder Zupfen so richtig Freude als auch Erfolg habe. Mittlerweile hat mich das Renkenfieber voll erwischt.  Angefangen von der Suche nach den Coregonen. Sofern man sie auf dem Echo lokalisieren konnte, beginnt oft der spannendste Teil der Angelei. Hat man die richtige Hegene und Nymphen am Start, passt die Farbzusammenstellung? Wenn die Basics stimmig sind, dauert es meist auch nicht lange, bis der erste Fisch im Kescher landet.

Die Basics?

Aber was sind die Basics? Genau diese Frage hat mich lange beschäftigt. Als nicht Renkenangler kamen hier viele Fragen auf.  Wahl der richtigen Rute, die Hakengröße, der Schnurdurchmesser, Abstand der Nymphen, das Gewicht vom Blei, Pose oder nicht, Wirbel oder direkt anknoten, zu welcher Zeit auf welcher Tiefe usw. Man fragt dann seine Buddys, die schon jahrelang Erfahrung haben, sammelt Informationen im Netz, schaut sich Videos an und vieles mehr. ABER wie so oft im Leben und bei allen Dingen hier scheiden sich oft die Geister. Jeder macht es ein wenig anders! Unzählige Meinungen zu jedem der genannten Punkte. Irgendwann findet man dann aber auch sein eigenes Rezept zum Renken angeln. Ich habe einige Tipps und Ratschläge umgesetzt bzw. auch nicht für optimal empfunden und wieder von Bord geworfen. Nach gut zwei Jahren bin ich auch so weit, dass ich meine eigene Hegene(n) binde. Eines jedoch vorweg, – an die Qualität einer Hegene von einem Profi gebunden, bin ich noch lange weg! Entweder sind meine Finger im Weg, die Augen spielen nicht mit oder der Geduldsfaden reißt. 🙂

Die eigenen Hegene binden

Wer sich also den ganzen Stress nicht antun möchte und lieber auf eine Hegene zurückgreifen möchte, die auch Gewässer spezifisch angepasst und extrem fängig ist, dem kann ich nur ans Herz legen eine Hegene beim Profi zu erwerben. Wer aber die Herausforderung nicht scheut, demjenigen möchte ich meine Zusammenstellung hier einmal vorstellen. Meine Variante zum Zupfen wohlgemerkt.

Das Grundmaterial

Ich binde meine *Nymphen meist an einer 0,16 oder 0,18er *Stroft Fluorocarbon Schnur d.h.  das Vorfach und die Springer! Andere Kollegen verwenden für den Springer eine feinere Schnur oder gar noch leichter. Auch das Vorfach mit einer 10er und 12er, das mag alles gut funktionieren, aber an meinem Hausgewässer mit sehr starken Hechtbestand muss man jederzeit mit einer Esox Attacke rechnen, der sich die Renke an der Hegene schnappt. Ebenfalls steigen gerne Seeforellen oder Barsche auf die Nymphen ein.

Mit einer 0,18er-Schnur kann ich ein wenig dem Abriss entgegenwirken. Somit ist die Wahl der Schnurstärke auch eine Gewässerfrage. Das Vorfach kann auch gerne einmal eine 0,20er-Stärke haben! Als Häkchen verwende ich 14er-Goldhaken, die Nymphen bekommt man online schon recht günstig in guter Qualität.

Die Montage

Am Anfang schneide ich mir die 5 Seitenarme ( max. 5 Nymphen sind erlaubt) in einer Länge von ca. 30 cm zurecht, sowie für das Vorfach ein Stück von ca. 1,50 – 2,00 Meter.  Sind alle 5 Ausleger mit einer Nymphe verknotet, werden diese dann an das Vorfach mit einem Chirurgen Koten angebunden. Abstand zum Vorfach ca. 2,5 -3,5 cm, es reichen dabei 2- 3 Umwicklungen.

Tipp: Das Schnurende an der Nymphe sollte maximal 3 mm haben, um vorsichtige Fische nicht zu verscheuchen. Renken haben bekanntlich ein sehr weiches und feinfühliges Maul. Wenn hier ein längeres Schnurteil pikst, spüren die Fische das, erschrecken und flüchten. Bei gekauften Hegenen ist mir das schön öfters aufgefallen, dass dieser Teil 5-8 mm übersteht. Persönlich finde ich das nicht so optimal und knipse es immer ab.

Die *Nymphen werden mit einem normalen Schlaufenknoten angebunden (2-3x die Nymphe durch die Schlaufe wickeln) dabei sollte man achten, die Schlaufe so klein wie möglich zu halten, damit die Nymphe noch etwas Spiel hat.

Dazu halte ich beim Zuziehen der Schlaufe eine Stecknadel oder einen Stift zwischen Schnur und Nymphe.

 

 

 

Nicht vergessen VOR dem Zuziehen die Schnur etwas zu befeuchten, da hier Hitze entsteht und das Material eher darunter leidet! Ich stelle mir dazu eine kleine Schale mit Wasser bereit und tauche die Schnur ein.

Eine kleine Skizze dazu im Detail.

 

 

Befestigt werden die fertigen Springer ebenso wieder mit einem Schlaufenknoten an die Hauptschnur. Je nach Vorliebe kann man hier bei der Länge des Auslegers ein wenig experimentieren.

Tipp: Es müssen nicht zwangsläufig alle Springer eine Länge von 3,5 cm haben. Es ist durchaus fängig, wenn man die Ausleger in verschiedenen Längen anknüpft, d.h. den ersten Springer mit 3 cm, den Dritten dann mit 5 cm.. Wie auch immer, den Fischen stört es nicht, ganz im Gegenteil.

Ich habe mir einige Hegenen so gefertigt und es stellt sich immer mehr heraus, dass gerade diese Variante an so manchen Tagen der Game-Changer ist. Versucht es einfach aus. 🙂

Abstand der Nymphen am Vorfach

Ja, hier hat wohl jeder seine eigene Vorgehensweise. Ich halte zwischen den Nymphen ca. 25–30 cm Abstand, denn sollte ich einmal doch mit der Pose fischen, so ist noch genügend Abstand dazwischen, ohne dass es zu einer Verhedderung kommt. Am oberen Teil vom Vorfach wird eine normale Schlaufe eingebunden, wo später die Hegene in den Karabiner der Hauptschnur eingehängt wird. Danach folgt der erste Ausleger nach ca. 30 cm, die letzte untere Nymphe ca. 20 cm vom Blei entfernt. Es gibt auch Varianten mit einem Nachläufer, wo dann die letzte Nymphe quasi nach dem Blei gebunden wird, diese Variante habe ich persönlich noch nicht ausprobiert. Am Ende der Schnur wird noch ein kleiner Karabiner/Snap gebunden, wo später das Blei befestigt wird. Hört sich alles easy peasy an, allerdings ist das manchmal schon eine wahre Zerreißprobe. Man benötigt viel Gefühl und gute Nerven, es ist eine Filigranarbeit. Je feiner die Schnur, desto schwieriger gestaltet sich auch die Montage. So sind leider schon etliche Meter Schnur bei mir in den Mülleimer gelandet. Entweder ist die Schnur gerissen beim Verknoten, die Schlaufe wurde zu groß, der Ausleger zu kurz oder zu lang etc.  Auch nach etlichen Montagen gefiel mir das Ergebnis am Ende dann doch nicht und es wurde von vorne begonnen. Gute Nerven, ein gutes Auge und ruhige Finger sollte man also mitbringen.

Persönliche Varianten der Hegene

Wie oben gerade erwähnt gibt, es etliche Variationen wie man SEINE Hegene binden kann und wie man den Abstand der Ausleger wählt usw. Ich möchte hier einmal MEINE zwei Varianten vorstellen, wie ich sie binde. Für den Hauptstamm habe ich die Schnur in einer Länge von ca. 150 cm abgeschnitten.

Hierbei ist die Variante mit dem Nachläufer besonders erfolgreich, sofern die Fische etwas tiefer stehen, d. h. ab 10 Meter Wassertiefe verwende ich gerne die Hegene mit dem Nachläufer.

Wichtig ist hierbei, dass die letzte Nymphe am Stamm an einem 20 cm langen Seitenarm (Springer) angebunden wird. Man kann diesen Nachläufer z. B. auch wieder 5 cm vom Blei entfernt anbinden.  Mir persönlich gefällt diese Option besser als eine Montage mit einem Laufblei auf dem Hauptstamm. Die Variante mit dem Nachläufer ist unheimlich fängig! 🙂

Die Mühe wird belohnt

Hat man es am Ende geschafft und ist mit dem Ergebnis zufrieden, landen die fertigen Hegenen in einer *Aufbewahrungsbox. Hier gehen auch wieder die Meinungen auseinander, was die Anzahl der Hegenen betrifft, die man haben soll oder muss.

Manche Kollegen haben ja ein ganzes Arsenal von Spulen und Boxen. Meiner Meinung nach reichen in der Regel 20 Stück für eine Saison. Ich führe lediglich immer eine Box mit 16 fertigen Montagen mit, wo allerlei Farbkombinationen vereint sind. Meist haben sich zwei oder drei Variationen als besonders fängig erwiesen und verwende diese dann auch beim nächsten Mal wieder.

Die Farbkombination, BRAUNLILAROT hat sich hier an den meisten Tagen besonders bewährt. Man muss hier ein wenig den Schlupf der Mücken an seinem Gewässer beobachten.

Wesentlich ist auch, wie TIEF man angelt! Ab einer Wassertiefe von 10 Meter sind vor allem die Farbtöne Braun und Rot recht vielversprechend, fischt man eher flacher, läuft helleres GrünLila sehr gut. So zumindest waren meine Erfahrungen beim Renkeln 🙂

 

Wer also bisher dem Angeln auf Renken nichts abgewinnen konnte, sollte diese Angelmethode einmal ausprobieren und sich heranwagen an das Binden einer eigenen Hegene. Am Anfang sicherlich ein Nervenspiel, aber hat man einmal den Dreh raus, klappt es ganz gut. Es muss ja nicht immer perfekt sein. Es gibt einem auch einen besonderen Kick, wenn man mit seiner eigenen gebundenen Montage zum Erfolg kommt.

Sofern ich einmal Zeit finde, wird auch ein kleines Video zum Binden entstehen, bis dahin gibt es wie immer ein paar Bilder u.a. auch der letzten Fänge.

Meine PB Renke aktuell liegt bei 49 cm. (Ammersee, Bayern)

In diesem Sinne viel Erfolg am Wasser.

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